Mike Rush Biographie

Mike Rush wächst behütet im Mittelstand auf. Die Kindheit gleicht einem Märchen: Die Eltern verheiratet und glücklich, ein Haus mit Garten und keinerlei Gedanken an die Probleme des Lebens. Doch angekommen in der Schule nimmt das Märchen ein schnelles Ende. Der Junge ist zu verträumt, zu langsam, zu unaufmerksam, nicht schnell und effizient genug. Im Zeugnis der ersten Klasse liest man, dass er in Sport gut ist und gerne singt. Nach der vierten Klasse reicht es nur für die Hauptschule. Genau jetzt hält Hip Hop Einzug in sein Leben.

Nachdem man ihm 4 Jahre lang gesagt hat, er müsse schneller, konzentrierter und besser werden, im Bezug auf Dinge, die ihm überhaupt nicht lagen, war da plötzlich etwas, dass er auf Anhieb verstand und für das er sich begeistern konnte. Dem Druck aus dem Elternhaus, den Absprung auf die Realschule zu schaffen, nachgekommen, widmete sich der blonde junge wieder seiner neuen Leidenschaft. Er begann Texte in Reimform zu schreiben und damit seine Mitschüler durch den Kakao zu ziehen. Die Schule wurde zur Nebensache, die mittlere Reife gerade so bestanden und noch während der Lehrzeit zum Redakteur und Moderator bei einer lokalen Medienanstalt gründet er das Tonstudio „Beat&Bass Productions“ mit Gewerbeanmeldung. Mike’s Umfeld entsprach nicht mehr dem, einer märchenhaften Vorstadtidylle. Die Jungs, die ihn verstanden waren Stadtkinder verschiedener Herkunft, Hautfarbe und Religion. Die Rapszene in der Stadt war gespalten in verfeindete Gruppierungen mit Massenschlägereien, Knochenbrüchen sowie fliegenden Zähnen und das Leben begann ihm, davon unabhängig, nun auch beruflich in schöner Regelmäßigkeit immer wieder einen Streich zu spielen. Aus dem naiven Kind vom Dorf war ein gebrannter Stadtjunge geworden.

Und alle Antworten auf die Fragen, warum, wieso, weshalb führten in die Politik. Die Politik steuert die Bildungseinrichtungen, in die er nicht passte, die Politik beeinflusst den Arbeitsmarkt auf dem sein Typ nicht gefragt war und die Politik war der Grund für die gesellschaftlichen Gräben zwischen den Menschen, die sich um ihn herum überall gegenseitig bekämpften. Er griff als einer der wenigen Rapper aus der Gangster- / Straßenrapszene starken politischen Content auf. Die Anfänge als lokaler Rapper unter dem Synonym Mike Rush waren erfolgreich: Mit „Ich bin ein Rapper“, „Stimme des Volks“, „Ich bin ein Rapper Part 2“ und „Sex on the Beats“ erlangte er schnell überregionale Bekanntheit. Erste Fans und Groupies ließen von einer goldenen Zukunft träumen. Als die großen Raplabels jedoch nichts von dem dünnen Jungen aus der Provinz wissen wollten, kehrte Mike Rush der Musik den Rücken und begann eine Laufbahn als Amateurboxer. Heute, nach einigen Jahren Schaffenspause ist der blonde Deutschrapper zurück. Das Feuer ist wieder da und die Erwartungen klein. Es geht dem 86er Jahrgang darum, sich selbst zu verwirklichen, unabhängig von einem großen Publikum. Mike Rush sieht sich als Straßenrapper mit starken gesellschaftskritischen und politischen Einflüssen, aber auch Battle-, Party- oder Pornolyrik ist Teil seines Gesamtrepertoires.